BPMN 2.0: Das komplette Kompendium für Prozessmanager

BPMN (Business Process Model and Notation) ist der internationale Standard für die Prozessmodellierung. In diesem Kompendium finden Sie alle Symbole, Regeln und Best Practices für saubere Prozesslandkarten.

Das Exklusive Gateway (XOR)

Funktionsweise

Das exklusive Gateway bildet eine klassische Entweder/Oder-Entscheidung ab. Die Logik schreibt vor, dass immer nur genau einer der ausgehenden Pfade beschritten werden darf.

  • Symbole: Es existieren Varianten (leer oder mit X). Es wird empfohlen, ausschließlich das Symbol mit dem „X“ zu verwenden, um Eindeutigkeit zu gewährleisten.
  • Anwendungsbereich: Klassische Ja/Nein-Entscheidungen oder Prüfungen gegen Wertgrenzen (z. B. Altersgrenzen, Betragsgrenzen).

Best Practice: Beschriftung

Eine saubere Beschriftung erhöht die Lesbarkeit drastisch. Gateways sollten nur beschriftet werden, wenn es für das Verständnis zwingend notwendig ist.

  1. Vermeidung impliziter Fragen: Wenn sich die Frage aus der vorherigen Tätigkeit ergibt (z. B. Tätigkeit “Antrag prüfen”), ist eine Beschriftung des Gateways mit “Geprüft?” redundant.
  2. Explizite Pfad-Beschriftung (Empfohlen): Anstatt das Gateway mit einer Frage zu versehen und die Pfade mit “Ja/Nein”, sollten die Pfade selbst das Ergebnis beschreiben.
    • Beispiel: Statt “Vollständig?” (Ja/Nein), beschriften Sie die Pfade direkt mit “vollständig” und “unvollständig”.

🖼 GRAFIK: Vergleich BeschriftungsvariantenKI-Beschreibung: Ein Vergleichsbild mit zwei Beispielen. Links (durchgestrichen/schlecht): Ein Gateway mit der Frage “Vollständig?” und den Ausgängen “Ja” und “Nein”. Rechts (empfohlen): Ein unbeschriftetes Gateway, bei dem die ausgehenden Pfeile direkt mit “unvollständig” und “vollständig” beschriftet sind.

  • [ ] Hier Screenshot von Abbildung 2 und 4 einfügen

Zusammenführung (Merge)

Bei der Zusammenführung durch ein exklusives Gateway wird der Prozess ohne Verzögerung fortgesetzt. Sobald einer der eingehenden Pfade am Gateway ankommt, wird der Ausgang aktiviert. Es wird nicht auf andere Pfade gewartet.

Hinweis: Nicht jede Verzweigung muss zwingend zusammengeführt werden. Unterschiedliche Pfade können auch zu unterschiedlichen End-Ereignissen führen (z. B. Prozess-Abbruch vs. erfolgreicher Abschluss).

🖼 GRAFIK: Zusammenführung exklusives GatewayKI-Beschreibung: Ein Prozessfluss, bei dem zwei alternative Pfade (“PIN setzen” und “Funktion deaktivieren”) in einem XOR-Gateway (Raute mit X) zusammenlaufen. Von diesem Gateway geht ein einzelner Pfeil zur nachfolgenden Aufgabe weiter.

  • [ ] Hier Screenshot von Abbildung 6 einfügen

BPMN: Aufgaben und Teilprozesse

Um zu visualisieren, was in einem Prozess getan wird, nutzt die BPMN Aktivitäten. Diese unterteilen sich in Aufgaben, Teilprozesse und Aufrufaktivitäten.

Die Aufgabe (Task)

Eine Aufgabe beschreibt eine atomare Tätigkeit, die im Prozess nicht weiter detailliert wird. Sie dient dazu, das tatsächliche Handeln darzustellen.

  • Modellierung: Aufgaben haben immer genau einen eingehenden und einen ausgehenden Sequenzfluss.
  • Typisierung: Grundsätzlich können Aufgaben durch Symbole genauer spezifiziert werden (z. B. Benutzeraufgabe). Im “Wissen und Werkzeug”-Basislevel wird zur Vereinfachung jedoch darauf verzichtet.

Namenskonvention: Objekt-Verrichtungsprinzip

Die Bezeichnung von Aufgaben folgt strikten Regeln:

  1. Verb am Ende: Die Bezeichnung muss immer ein Handeln beschreiben (Verrichtung).
  2. Kein Substantivierungs-Stil: Es heißt “Antrag bearbeiten” und nicht “Antragsbearbeitung” (das “-ung Verbot”).

Hierarchisierung durch Teilprozesse

Teilprozesse (Sub-Processes) fassen mehrere Aufgaben zusammen. Sie helfen, Komplexität zu kapseln (“verstecken”) und Modelle übersichtlich zu halten (z. B. Details einer “Anspruchsprüfung”). Ein Plus-Zeichen im unteren Bereich markiert, dass sich hinter der Aktivität weitere Details verbergen.

Der Ablauf im Teilprozess (Das Marken-Modell)

Um die Wirkweise zu verstehen, betrachten wir den Weg der Marke (Token):

  1. Trifft die Marke auf einen Teilprozess, “fällt” sie in die darunterliegende Ebene.
  2. Sie wird am Startereignis des Teilprozesses neu generiert.
  3. Sie durchläuft den Detail-Prozess bis zum Endereignis.
  4. Dort wird sie konsumiert und an den darüberliegenden Prozess zurückgegeben.
  5. Der Prozess wird auf der Haupt-Ebene über den ausgehenden Sequenzfluss fortgesetzt.

🖼 GRAFIK: Token-Fluss im TeilprozessKI-Beschreibung: Schematische Darstellung in 5 Schritten, wie ein Token von der Hauptprozess-Ebene in einen Teilprozess abtaucht, diesen durchläuft und wieder auftaucht.

  • [ ] Screenshot einfügen

Verschachtelungstiefe

Teilprozesse können selbst wieder Teilprozesse enthalten. Obwohl die BPMN hier keine technischen Grenzen setzt, sollte im Sinne der Übersichtlichkeit auf zu tiefe Verschachtelungen verzichtet werden.

Die Aufrufaktivität (Call Activity)

Eine Aufrufaktivität ist ein wiederverwendbarer Teilprozess.

  • Funktion: Sie verweist nicht auf ein eingebettetes Detailmodell, sondern auf einen zentral abgelegten Prozess, der von verschiedenen Stellen aus “aufgerufen” werden kann (z. B. ein standardisierter Prüfungsprozess).
  • Vorteil: Änderungen am zentralen Prozess wirken sich automatisch auf alle aufrufenden Prozesse aus.

🔗 Verwandte Module

  • **[[BPMN: Der Sequenzfluss]]**Kontext: Verbindet Aufgaben und Teilprozesse in einer sachlogischen Reihenfolge.
  • **[[BPMN: Pools und Schwimmbahnen]]**Kontext: Das “Wer” (Rollen) als Ergänzung zum hier beschriebenen “Was”.

Das Exklusive Gateway (XOR)

Das Exklusive Gateway (XOR)

Das exklusive Gateway bildet eine klassische Entweder/Oder-Entscheidung ab. Die Logik schreibt vor, dass immer nur genau einer der ausgehenden Pfade beschritten werden darf.

Funktionsweise

  • Symbole: Es wird empfohlen, ausschließlich das Symbol mit dem „X“ zu verwenden, um Eindeutigkeit zu gewährleisten.
  • Anwendungsbereich: Klassische Ja/Nein-Entscheidungen oder Prüfungen gegen Wertgrenzen (z. B. Altersgrenzen).

Best Practice: Beschriftung

Eine saubere Beschriftung erhöht die Lesbarkeit. Vermeiden Sie implizite Fragen (z. B. “Geprüft?”).

Empfehlung: Beschriften Sie stattdessen die Pfade direkt mit dem Ergebnis.

  • Statt: Frage “Vollständig?” -> Pfade “Ja/Nein”
  • Besser: Pfade “vollständig” und “unvollständig”

Zusammenführung (Merge)

Bei der Zusammenführung wird der Prozess ohne Verzögerung fortgesetzt. Sobald einer der eingehenden Pfade ankommt, wird der Ausgang aktiviert.

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